Im Würgegriff der geteilten Stadt (Berlin 1965)

Meine gesamte Kindheit und frühe Jugend waren geprägt von einer Stadt, die sich im permanenten, nervenaufreibenden Ausnahmezustand befand. Ich wuchs nicht auf Spielplätzen auf, sondern zwischen den Skeletten zerbombter Häuser und Bergen von Trümmern. Im Jahr 1961 zerriss die Geschichte meine Welt endgültig: Ich erlebte den Bau der Berliner Mauer hautnah mit.
Der berüchtigte Kontrollpunkt Checkpoint Charlie, bewaffnete Soldaten und das ständige Gefühl, eingesperrt zu sein, wurden zu meinem bleiernen Alltag. Im Jahr 1965, mit gerade einmal 18 Jahren, hielt ich es nicht mehr aus. Der Abschied von meiner Familie war von bitteren Tränen begleitet. Doch der Hunger nach einem echten Neuanfang brannte heißer als jede Angst. Mit kaum mehr als einem einzigen Koffer voller Hoffnungen machte ich mich auf den Weg zum Flughafen. Es gab kein Zurück mehr.
