Der erste Atemzug in Freiheit

Nach einem endlosen, monotonen Flug über die dunklen, unbarmherzigen Wassermassen des Atlantischen Ozeans setzte die Maschine schließlich dröhnend zur Landung an. Als sich die schweren Türen öffneten, trat ich hinaus und atmete zum ersten Mal kanadische Luft ein.

In diesem historischen Augenblick mischte sich eine Welle purer Erleichterung mit einer gigantischen Portion lähmender Nervosität. Die schiere, monumentale Dimension von allem um mich herum war absolut überwältigend.

Die Schilder schrien mich in einer fremden Sprache an. Die Menschen redeten in einem rasanten Englisch, das in meinen Ohren wie eine völlig unlesbare Melodie klang. In genau diesem schwindelerregenden Moment traf mich die Realität wie ein Schlag: Ich war nicht mehr der eingesperrte Junge aus Berlin. Ich war jetzt ein Einwanderer in einem ungezähmten, riesigen Imperium.